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Laut WHO¹ machen psychische und neurologische Erkrankungen 14% der globalen Gesundheitsschäden aus. Sie betreffen alle Altersgruppen und sozialen Schichten².

In der Elfenbeinküste sind die Menschen seit 2002 psychisch und sozial von verschiedenen Krisen betroffen. Die Versorgung und der Zugang zur psychiatrischen Versorgung ist begrenzt: 2 öffentliche psychiatrische Krankenhäuser und etwa 30 Psychiater für mehr als 26 Millionen Einwohner (3).

Studien haben gezeigt, dass der Aufenthalt in psychiatrischen Krankenhäusern eine schwere finanzielle Belastung für die Gesellschaft darstellt und zwar durch direkte Kosten, aber auch durch indirekte Kosten (lange Wege für den Patienten und die Angehörigen, Unterkunft für die Angehörigen). Infolgedessen kommt dieses Angebot für viele Familien nicht in Frage.

Der Mangel an Primärversorgungseinrichtungen (= Primärversorgung, in der Nähe des Wohnortes des Patienten) führte zu der Entwicklung paralleler Strukturen, insbesondere von Gebetscamps (4).

Darüber hinaus erschweren soziokulturelle Vorstellungen von psychischen Störungen und Epilepsie eine angemessene Versorgung. Stigmatisierte Patienten haben Schwierigkeiten, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, auch wenn sie wieder stabil sind.

Es wurden an mehreren Orten exemplarisch Behandlungen angeboten. Es hat sich gezeigt, dass ein großes Interesse besteht, vor Ort Hilfe zu bekommen. Auf diese Weise kann die Qualität der Behandlung verbessert und die Situationen von Missbrauch und Gewalt, unter denen viele Patienten leiden, bekämpft werden. Die Normalisierung des Sozialverhaltens eines Patienten und die Einbeziehung seiner Familie fördern seine erfolgreiche Integration. Das schafft Gelegenheiten für die Gemeinschaft, ihre Perspektive auf psychische Gesundheit und Krankheit zu verändern.

Das Projekt

Im Jahr 2018, nach mehrjähriger Feldarbeit mit der ländlichen Bevölkerung, initiierte unser multidisziplinäres Team das SAMENTACOM-Projekt. Dies kann nun durch das Ministerium für Gesundheit und öffentliche Hygiene und die Mindful-Change-Stiftung realisiert werden.

Seine Vision:

Die psychische Gesundheit aller Menschen so gemeindenah wie möglich zu fördern.

Dabei stützt es sich auf die Expertise des WHO-Aktionsprogramms mhGAP² sowie auf die mit SMAO (5) entwickelten Therapieprotokolle.

Seine Hauptaufgaben sind:

  • Sensibilisierung der Bevölkerung für Fragen der psychischen Gesundheit
  • Schulung der lokalen Mitarbeiter
    • professionelle Pflegekräfte für die Behandlung von Patienten
    • Gesundheitsmitarbeiter (sog. Agents de santé, örtliche Laien, die spezifisch für diese Aufgaben ausgebildet werden, um Patienten und ihre Familien zu finden, aufzusuchen und zu unterstützen)
  • Überwachung der medizinischen Versorgung durch ein Team von Psychiatern
  • Forschung im Bereich der psychischen Gesundheit, Studien zur Verbesserung der Praxis

Dank des SAMENTACOM-Projekts profitieren heute Hunderte von Patienten von einer verbesserten Unterstützung ihrer psychischen Gesundheit.

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(1) WHO: Weltgesundheitsorganisation
(2) https://www.who.int/mental_health/mhgap/en/

(3) Von den Psychiatern arbeiten nur sehr wenige auf dem Land. Die beiden Krankenhäuser sind klein (ca. 80 bzw. ca. 20 Betten) und eins davon hat bislang so gut wie keine Ausstattung. [Anm. des Übers.]
(4) Bericht der Enquête: Seelische Gesundheit und Menschenrechte in der Umgebung von Bouaké, Projekt SAMENTACOM.

Gebetscamps (Camps de Prière, Prayer Camps) sind religiös orientierte Zentren und/oder Dörfer, die Menschen mit verschiedenen chronischen Krankheiten aufnehmen und mit ihnen und für sie beten, leider aber oft auch die Patienten fesseln und aggressiv „behandeln“. Sie sind in der Regel monotheistisch eingestellt, selten auch traditionell religiös. S. dazu auch unter „Unsere Aktivitäten“ auf dieser Homepage Informationen zur geplanten Untersuchung dieser Zentren, über die man bisher viel zu wenig weiß. [Anm. des Übers.]

(5) SMAO : Seelische Gesundheit in Westafrika (Santé Mentale en Afrique de l´Ouest)